Ein Blick über den Ausbildungsalltag hinaus

Ausbildung bedeutet mehr als fachliches Wissen und praktische Erfahrungen im Berufsalltag. Deshalb haben wir – drei Auszubildende – die Möglichkeit genutzt, im Rahmen eines freiwilligen Sozialpraktikums neue Perspektiven kennenzulernen und uns gesellschaftlich zu engagieren. Wir waren in verschiedenen sozialen Einrichtungen tätig und konnten dabei nicht nur wertvolle Erfahrungen sammeln, sondern auch einen persönlichen Einblick in die Arbeit und die Herausforderungen der Menschen und Organisationen vor Ort gewinnen. Was wir dabei erlebt, gelernt und mitgenommen haben, erzählen wir in unseren persönlichen Berichten.

„Diese Woche hat meinen Blick auf unseren Alltag verändert – und darauf, wie viel Engagement hinter sozialer Arbeit steckt.“

Mauritz, Dualer Student der Wirtschaftsinformatik, über seine Zeit bei den Gemeinnützigen Werkstätten und Wohnstätten (GWW):

Mein einwöchiges Sozialpraktikum habe ich bei den Gemeinnützigen Werkstätten und Wohnstätten GmbH (GWW) in Sindelfingen absolviert. Die GWW bietet Menschen mit Behinderung umfassende Unterstützung – von der beruflichen Förderung in Werkstätten über Tagesbetreuung bis hin zur Begleitung im Alter und am Lebensende. Für mich, der bis dahin kaum persönliche Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung hatte, war die Woche eine wertvolle Möglichkeit, neue Perspektiven kennenzulernen.

 

Die GWW vereint verschiedene Betreuungsangebote. Den Kern bilden zwei Werkstätten, in denen die Klienten strukturiert und produktiv arbeiten können. Ergänzend gibt es eine Tagesbetreuung für Personen, die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht regelmäßig in der Werkstatt tätig sein können. Ich selbst war in der Seniorengruppe eingesetzt, die sich an ältere Klientinnen und Klienten richtet, die weder in der Werkstatt noch in der klassischen Tagesgruppe betreut werden können. Die Arbeit dort erfordert besonders viel Geduld, Einfühlungsvermögen und individuelle Zuwendung.

 

Die Bedürfnisse der Klienten waren sehr unterschiedlich: von Menschen mit schweren körperlichen und geistigen Behinderungen, die sich kaum verbal mitteilen können, bis hin zu Personen, mit denen eine aktive und abwechslungsreiche Beschäftigung gut möglich war. Diese Vielfalt erforderte Flexibilität in der Kommunikation und im Umgang.

 

Zu meinen Aufgaben gehörten gemeinsame Spiele, Spaziergänge, Bastelarbeiten sowie das Kochen und gemeinsame Essen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein gemeinsamer Einkauf. Einen Klienten dabei zu begleiten, der sich sichtlich gefreut hat und stolz auf seine selbst getroffene Auswahl war, hat mich sehr berührt – auch wenn die Situation logistisch und kommunikativ herausfordernd war. Darüber hinaus versuchte ich, einem älteren Klienten spielerisch erste Grundlagen im Lesen und Schreiben zu vermitteln. Auch wenn es sich dabei weniger um klassischen Unterricht als vielmehr um Beschäftigungstherapie handelte, empfand ich es als bereichernd, ihm eine sinnvolle und stimulierende Aktivität anbieten zu können.

 

Das Praktikum hat meine Perspektive nachhaltig verändert. Ich habe gelernt, auf besondere Bedürfnisse einzugehen, nonverbale Kommunikation bewusster wahrzunehmen und Geduld aufzubringen – Fähigkeiten, die im Alltag und Berufsleben oft unterschätzt werden. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie wichtig soziale Teilhabe für das Wohlbefinden ist: Schon kleine Momente wie ein Ausflug, ein gemeinsames Essen oder eine Spielerunde können viel bewirken.

Besonders beeindruckt hat mich auch die Entlastung, die die Einrichtung den Familien bietet. Dadurch wurde mir die gesellschaftliche Bedeutung solcher Einrichtungen noch einmal deutlich vor Augen geführt.

 

Nicht weniger beeindruckt hat mich das Engagement der Mitarbeiter:innen. Man merkt ihnen an, dass sie mit echter Überzeugung und viel Herzblut bei der Sache sind. Diese Haltung hat mir gezeigt, was professionelle soziale Arbeit bedeutet und welchen Unterschied ein empathischer und wertschätzender Umgang machen kann.

 

Aus dieser Woche nehme ich eine größere Wertschätzung für mein eigenes Leben, ein tieferes Verständnis für soziale Teilhabe und großen Respekt vor allen mit, die Menschen mit Behinderung im Alltag begleiten.

Duc-Tuan, Auszubildender Kaufmann für Marketingkommunikation über seine Erfahrungen im Jugendhaus in Stuttgart-Degerloch:

Mein Sozialpraktikum absolvierte ich im Helene P. Jugendhaus in Stuttgart-Degerloch. Dort bekam ich einen Einblick in die offene Kinder- und Jugendarbeit.

 

An den meisten Tagen fanden offene Angebote statt. Die Jugendlichen konnten selbst entscheiden, wie sie ihre Zeit verbringen wollten – zum Beispiel beim Tischtennis, Kartenspielen oder an der Playstation. Ich lernte die Jugendlichen kennen, beschäftigte mich mit ihnen und führte viele Gespräche. Ergänzt wurde das Angebot durch gemeinsames Kochen, einen Filmnachmittag und ein Sommerfest einer Schulklasse, bei dem wir zum Abschluss gemeinsam Pizza gebacken haben.

 

Besonders interessant war ein Planspiel in Kooperation mit einer Realschule in Degerloch. Die Schülerinnen und Schüler bereiteten sich dabei auf ihre Bewerbung für eine Ausbildung vor. Sie übten Teamarbeit und Bewerbungsgespräche mit HR-Mitarbeitenden verschiedener Unternehmen, unter anderem von Scharr und der SSB. Durch Elemente eines Assessment Centers konnten sie außerdem ihre eigenen Fähigkeiten besser einschätzen.

 

Während meines Praktikums bekam ich auch Einblicke in die persönlichen und familiären Hintergründe einiger Jugendlicher. Manche sind mit sozialen Problemen, Flucht- oder Drogenhintergründen konfrontiert. Dabei wurde mir bewusst, welche wichtige Rolle das Jugendhaus für viele von ihnen spielt. Für Jugendliche, die regelmäßig oder sogar täglich kommen, ist es ein sicherer Ort, an dem sie sich treffen, austauschen, ihre Freizeit verbringen oder Abstand von schwierigen Situationen zu Hause gewinnen können. Viele vertrauen den Mitarbeitenden auch persönliche Probleme an.

 

Gleichzeitig wurde deutlich, dass das Jugendhaus selbst vor Herausforderungen steht. Durch Kürzungen der Stadt können geplante Angebote und Vorhaben teilweise nicht umgesetzt werden. Das finde ich besonders schade, weil ich während meines Praktikums erlebt habe, wie wichtig die Einrichtung für die Jugendlichen ist.

 

Mein Sozialpraktikum hat mir gezeigt, dass offene Jugendarbeit weit mehr als reine Freizeitgestaltung ist. Sie schafft einen geschützten Ort, gibt Jugendlichen Unterstützung und vermittelt ihnen das Gefühl, gesehen und ernst genommen zu werden.

Pascal, Auszubildender Kaufmann für Büromanagement, über seine Mitarbeit bei der Schwäbischen Tafel:

Ich hatte die Möglichkeit, mein Sozialpraktikum bei der Schwäbischen Tafel in Stuttgart zu absolvieren, dem größten Standort der schwäbischen Tafeln. Meine Aufgaben waren vielfältig: Ich räumte Regale ein, kontrollierte Ausweise am Eingang, ent- und belud Fahrzeuge, sortierte Obst und Gemüse und unterstützte bei der Reinigung des Ladens.

 

Mein persönliches Ziel für das Praktikum war es, einen Perspektivwechsel zu erfahren und mir bewusst zu machen, wie privilegiert wir in unserem Alltag oft sind. Dieses Ziel wurde in vielerlei Hinsicht erreicht. Bereits am ersten Tag durfte ich einem blinden Menschen beim Einkaufen helfen – eine für mich sehr prägende Erfahrung. Besonders beeindruckt hat mich außerdem ein Mitarbeiter, der acht Stunden lang bei großer Hitze körperlich arbeitete, ohne sich über die Anstrengung oder das Wetter zu beschweren. Seine Zufriedenheit und positive Einstellung haben mich zum Nachdenken über unsere eigenen vermeintlichen „Probleme“ und unseren Umgang mit Wohlstand gebracht.

 

Auch der Zusammenhalt unter den Mitarbeitenden ist mir besonders aufgefallen. Ich erlebte die Atmosphäre als sehr familiär und unterstützend. Ein Erlebnis ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: Als ein Kollege längere Zeit nicht zur Arbeit erschien, machte sich eine Mitarbeiterin auf den Weg zu ihm nach Hause und fand ihn dort verstorben vor. Sie nahm anschließend selbstverständlich seinen zurückgelassenen Hund bei sich auf und kümmerte sich um ihn. Diese Situation hat mir gezeigt, wie eng der Zusammenhalt unter den Mitarbeitenden ist und wie selbstverständlich füreinander Verantwortung übernommen wird.

 

Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung, da sie mir den gewünschten Perspektivwechsel ermöglicht hat. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass eine dauerhafte Tätigkeit in diesem Umfeld für mich persönlich nicht infrage käme. Der tägliche Umgang mit sehr unterschiedlichen Menschen kann herausfordernd sein. Ich erlebte beispielsweise Situationen, in denen versucht wurde zu stehlen, um die ohnehin niedrigen Preise zu verhandeln oder anderen Kunden Lebensmittel wegzunehmen.

 

Trotz dieser Herausforderungen nehme ich vor allem eines aus meinem Sozialpraktikum mit: eine größere Wertschätzung für das, was in unserem Alltag oft selbstverständlich erscheint, und einen neuen Blick auf die Menschen, die auf die Unterstützung der Tafel angewiesen sind. Die Woche hat mir gezeigt, wie wichtig soziale Einrichtungen wie die Schwäbische Tafel sind – und wie viel Engagement und Zusammenhalt hinter ihrer Arbeit stehen.

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Ein Blick über den Ausbildungsalltag hinaus

Ausbildung bedeutet mehr als fachliches Wissen und praktische Erfahrungen im Berufsalltag. Deshalb haben wir – drei Auszubildende – die Möglichkeit genutzt, im Rahmen eines freiwilligen Sozialpraktikums neue Perspektiven kennenzulernen und uns gesellschaftlich zu engagieren. Wir waren in verschiedenen sozialen Einrichtungen tätig und konnten dabei nicht nur wertvolle Erfahrungen sammeln, sondern auch einen persönlichen Einblick in die Arbeit und die Herausforderungen der Menschen und Organisationen vor Ort gewinnen. Was wir dabei erlebt, gelernt und mitgenommen haben, erzählen wir in unseren persönlichen Berichten.

„Diese Woche hat meinen Blick auf unseren Alltag verändert – und darauf, wie viel Engagement hinter sozialer Arbeit steckt.“

Mauritz, Dualer Student der Wirtschaftsinformatik, über seine Zeit bei den Gemeinnützigen Werkstätten und Wohnstätten (GWW):

Mein einwöchiges Sozialpraktikum habe ich bei den Gemeinnützigen Werkstätten und Wohnstätten GmbH (GWW) in Sindelfingen absolviert. Die GWW bietet Menschen mit Behinderung umfassende Unterstützung – von der beruflichen Förderung in Werkstätten über Tagesbetreuung bis hin zur Begleitung im Alter und am Lebensende. Für mich, der bis dahin kaum persönliche Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung hatte, war die Woche eine wertvolle Möglichkeit, neue Perspektiven kennenzulernen.

 

Die GWW vereint verschiedene Betreuungsangebote. Den Kern bilden zwei Werkstätten, in denen die Klienten strukturiert und produktiv arbeiten können. Ergänzend gibt es eine Tagesbetreuung für Personen, die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht regelmäßig in der Werkstatt tätig sein können. Ich selbst war in der Seniorengruppe eingesetzt, die sich an ältere Klientinnen und Klienten richtet, die weder in der Werkstatt noch in der klassischen Tagesgruppe betreut werden können. Die Arbeit dort erfordert besonders viel Geduld, Einfühlungsvermögen und individuelle Zuwendung.

 

Die Bedürfnisse der Klienten waren sehr unterschiedlich: von Menschen mit schweren körperlichen und geistigen Behinderungen, die sich kaum verbal mitteilen können, bis hin zu Personen, mit denen eine aktive und abwechslungsreiche Beschäftigung gut möglich war. Diese Vielfalt erforderte Flexibilität in der Kommunikation und im Umgang.

 

Zu meinen Aufgaben gehörten gemeinsame Spiele, Spaziergänge, Bastelarbeiten sowie das Kochen und gemeinsame Essen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein gemeinsamer Einkauf. Einen Klienten dabei zu begleiten, der sich sichtlich gefreut hat und stolz auf seine selbst getroffene Auswahl war, hat mich sehr berührt – auch wenn die Situation logistisch und kommunikativ herausfordernd war. Darüber hinaus versuchte ich, einem älteren Klienten spielerisch erste Grundlagen im Lesen und Schreiben zu vermitteln. Auch wenn es sich dabei weniger um klassischen Unterricht als vielmehr um Beschäftigungstherapie handelte, empfand ich es als bereichernd, ihm eine sinnvolle und stimulierende Aktivität anbieten zu können.

 

Das Praktikum hat meine Perspektive nachhaltig verändert. Ich habe gelernt, auf besondere Bedürfnisse einzugehen, nonverbale Kommunikation bewusster wahrzunehmen und Geduld aufzubringen – Fähigkeiten, die im Alltag und Berufsleben oft unterschätzt werden. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie wichtig soziale Teilhabe für das Wohlbefinden ist: Schon kleine Momente wie ein Ausflug, ein gemeinsames Essen oder eine Spielerunde können viel bewirken.

Besonders beeindruckt hat mich auch die Entlastung, die die Einrichtung den Familien bietet. Dadurch wurde mir die gesellschaftliche Bedeutung solcher Einrichtungen noch einmal deutlich vor Augen geführt.

 

Nicht weniger beeindruckt hat mich das Engagement der Mitarbeiter:innen. Man merkt ihnen an, dass sie mit echter Überzeugung und viel Herzblut bei der Sache sind. Diese Haltung hat mir gezeigt, was professionelle soziale Arbeit bedeutet und welchen Unterschied ein empathischer und wertschätzender Umgang machen kann.

 

Aus dieser Woche nehme ich eine größere Wertschätzung für mein eigenes Leben, ein tieferes Verständnis für soziale Teilhabe und großen Respekt vor allen mit, die Menschen mit Behinderung im Alltag begleiten.

Duc-Tuan, Auszubildender Kaufmann für Marketingkommunikation über seine Erfahrungen im Jugendhaus in Stuttgart-Degerloch:

Mein Sozialpraktikum absolvierte ich im Helene P. Jugendhaus in Stuttgart-Degerloch. Dort bekam ich einen Einblick in die offene Kinder- und Jugendarbeit.

 

An den meisten Tagen fanden offene Angebote statt. Die Jugendlichen konnten selbst entscheiden, wie sie ihre Zeit verbringen wollten – zum Beispiel beim Tischtennis, Kartenspielen oder an der Playstation. Ich lernte die Jugendlichen kennen, beschäftigte mich mit ihnen und führte viele Gespräche. Ergänzt wurde das Angebot durch gemeinsames Kochen, einen Filmnachmittag und ein Sommerfest einer Schulklasse, bei dem wir zum Abschluss gemeinsam Pizza gebacken haben.

 

Besonders interessant war ein Planspiel in Kooperation mit einer Realschule in Degerloch. Die Schülerinnen und Schüler bereiteten sich dabei auf ihre Bewerbung für eine Ausbildung vor. Sie übten Teamarbeit und Bewerbungsgespräche mit HR-Mitarbeitenden verschiedener Unternehmen, unter anderem von Scharr und der SSB. Durch Elemente eines Assessment Centers konnten sie außerdem ihre eigenen Fähigkeiten besser einschätzen.

 

Während meines Praktikums bekam ich auch Einblicke in die persönlichen und familiären Hintergründe einiger Jugendlicher. Manche sind mit sozialen Problemen, Flucht- oder Drogenhintergründen konfrontiert. Dabei wurde mir bewusst, welche wichtige Rolle das Jugendhaus für viele von ihnen spielt. Für Jugendliche, die regelmäßig oder sogar täglich kommen, ist es ein sicherer Ort, an dem sie sich treffen, austauschen, ihre Freizeit verbringen oder Abstand von schwierigen Situationen zu Hause gewinnen können. Viele vertrauen den Mitarbeitenden auch persönliche Probleme an.

 

Gleichzeitig wurde deutlich, dass das Jugendhaus selbst vor Herausforderungen steht. Durch Kürzungen der Stadt können geplante Angebote und Vorhaben teilweise nicht umgesetzt werden. Das finde ich besonders schade, weil ich während meines Praktikums erlebt habe, wie wichtig die Einrichtung für die Jugendlichen ist.

 

Mein Sozialpraktikum hat mir gezeigt, dass offene Jugendarbeit weit mehr als reine Freizeitgestaltung ist. Sie schafft einen geschützten Ort, gibt Jugendlichen Unterstützung und vermittelt ihnen das Gefühl, gesehen und ernst genommen zu werden.

Pascal, Auszubildender Kaufmann für Büromanagement, über seine Mitarbeit bei der Schwäbischen Tafel:

Ich hatte die Möglichkeit, mein Sozialpraktikum bei der Schwäbischen Tafel in Stuttgart zu absolvieren, dem größten Standort der schwäbischen Tafeln. Meine Aufgaben waren vielfältig: Ich räumte Regale ein, kontrollierte Ausweise am Eingang, ent- und belud Fahrzeuge, sortierte Obst und Gemüse und unterstützte bei der Reinigung des Ladens.

 

Mein persönliches Ziel für das Praktikum war es, einen Perspektivwechsel zu erfahren und mir bewusst zu machen, wie privilegiert wir in unserem Alltag oft sind. Dieses Ziel wurde in vielerlei Hinsicht erreicht. Bereits am ersten Tag durfte ich einem blinden Menschen beim Einkaufen helfen – eine für mich sehr prägende Erfahrung. Besonders beeindruckt hat mich außerdem ein Mitarbeiter, der acht Stunden lang bei großer Hitze körperlich arbeitete, ohne sich über die Anstrengung oder das Wetter zu beschweren. Seine Zufriedenheit und positive Einstellung haben mich zum Nachdenken über unsere eigenen vermeintlichen „Probleme“ und unseren Umgang mit Wohlstand gebracht.

 

Auch der Zusammenhalt unter den Mitarbeitenden ist mir besonders aufgefallen. Ich erlebte die Atmosphäre als sehr familiär und unterstützend. Ein Erlebnis ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: Als ein Kollege längere Zeit nicht zur Arbeit erschien, machte sich eine Mitarbeiterin auf den Weg zu ihm nach Hause und fand ihn dort verstorben vor. Sie nahm anschließend selbstverständlich seinen zurückgelassenen Hund bei sich auf und kümmerte sich um ihn. Diese Situation hat mir gezeigt, wie eng der Zusammenhalt unter den Mitarbeitenden ist und wie selbstverständlich füreinander Verantwortung übernommen wird.

 

Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung, da sie mir den gewünschten Perspektivwechsel ermöglicht hat. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass eine dauerhafte Tätigkeit in diesem Umfeld für mich persönlich nicht infrage käme. Der tägliche Umgang mit sehr unterschiedlichen Menschen kann herausfordernd sein. Ich erlebte beispielsweise Situationen, in denen versucht wurde zu stehlen, um die ohnehin niedrigen Preise zu verhandeln oder anderen Kunden Lebensmittel wegzunehmen.

 

Trotz dieser Herausforderungen nehme ich vor allem eines aus meinem Sozialpraktikum mit: eine größere Wertschätzung für das, was in unserem Alltag oft selbstverständlich erscheint, und einen neuen Blick auf die Menschen, die auf die Unterstützung der Tafel angewiesen sind. Die Woche hat mir gezeigt, wie wichtig soziale Einrichtungen wie die Schwäbische Tafel sind – und wie viel Engagement und Zusammenhalt hinter ihrer Arbeit stehen.

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