DSV-Gruppe: Geschäftsjahr 2017

Sondereffekte bestimmen Zahlenbilanz des zentralen Dienstleisters der Sparkassen-Finanzgruppe: Die bundesweit tätige DSV-Gruppe, die sich aus dem Deutschen Sparkassenverlag sowie seinen Tochter- und Beteiligungsunternehmen zusammensetzt, erzielte 2017 einen unkonsolidierten Gruppenumsatz von 822,8 Millionen Euro (2016: 900,1 Millionen Euro). Die Umsatzentwicklung des Deutscher Sparkassenverlags in Stuttgart wies demgegenüber ein Wachstum auf: 300,9 Millionen Euro im Vergleich zu 278,4 Millionen Euro im Jahr davor.

Stollarz: DSV hat Übergangsjahr erfolgreich gemeistert

Dr. Michael Stollarz, seit 1. Januar 2018 Vorsitzender der Geschäftsführung der DSV-Gruppe, zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung: „Mein Vorgänger Wilhelm Gans hat im letzten Amtsjahr vor seinem Ruhestand wichtige Fundamente gelegt, auf die wir aufbauen können. Dazu zähle ich im Wesentlichen die Konsolidierung unseres Beteiligungsportfolios, die Neuaufstellung unseres medialen Segments sowie die Straffung des DSV-Angebotsportfolios, um unser Profil als Standardisierer und Mengenbündler für die Sparkassen-Finanzgruppe zu schärfen. Insbesondere die Veränderungen unseres Beteiligungsportfolios hatten trotz weiterhin guter Geschäfts- und Ertragslage Auswirkungen auf unsere Gruppenumsatzgröße. Dazu zählte beispielsweise der Anteilsverkauf an einem Debit- und Kreditkartenproduzenten im Rahmen unserer Mehrlieferantenstrategie.“

DSV-Chef: Digitalisierung ist Schlüssel zur Zukunft

„Jetzt gilt es, unsere Rolle als Innovator und Dienstleister weiter zu stärken, um die Institute und Verbände auf dem Weg in die Digitalisierung nachhaltig zu unterstützen“, umreißt Stollarz seine Zielsetzung. „Die Digitalisierung an sich ist zwar kein Geschäftsmodell. Aber sie ist der Schlüssel zum Erfolg der Zukunft. Viele Aufgaben rund um das Thema Banking sind digital viel schneller und einfacher zu erledigen. Davon profitieren einerseits die Sparkassenkunden; andererseits die Institute, wenn es ihnen gelingt, ihre Giroverbindung als zentrales Bindeglied der Kundenbeziehung zu festigen und weiter auszubauen.“

Neben Michael Stollarz, der vor seiner Tätigkeit für den DSV unter anderem als Geschäftsführer des Handelsblatt-Verlags sowie der Burda Media Group tätig war, gehören Ottmar Bloching (Payment) und Stefan Roesler (Medien und Kommunikation) der neu formierten DSV-Geschäftsführung an. Die Leitung des Vertriebs übernahm im April 2018 das Mitglied der DSV-Geschäftsleitung Jochen Maetje, nachdem sich DSV-Vertriebsgeschäftsführer Markus Keggenhoff entschieden hatte, eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen.

Jahresüberschuss normalisiert

In der speziellen Situation des DSV, dass seine Gesellschafter – regionale Sparkassenverbände sowie Landesbanken – zugleich seine Kunden repräsentieren, heißt die Prämisse nicht Gewinnmaximierung, sondern unternehmerisches, auskömmliches Wirtschaften. Insofern hat sich der Jahresüberschuss 2017 mit 17,8 Millionen Euro wieder normalisiert. Der außergewöhnlich hohe Jahresüberschuss im Jahr zuvor (37,8 Millionen Euro) resultierte aus einem Sondereffekt, da der DSV damals von Anteilsübernahmen der europäischen Visa-Gesellschaft durch die US-amerikanische Visa Inc. profitierte.

DSV-Mitarbeiterzahl unterliegt Sonderfaktoren

Der Rückgang der Mitarbeiterzahlen beim DSV – zum Stichtag 31. Dezember 2017 waren es 971 Beschäftigte gegenüber 1011 im Vorjahr – ist vor allem auf die Neuorganisation des medialen Segments und der damit einher gehenden Straffung des Leistungsportfolios zurückzuführen. In den Wachstumsfeldern Payment und Innovationen gab es demgegenüber einen moderaten Anstieg. In der gesamten DSV-Gruppe waren zum 31. Dezember 2017 2.217 Menschen beschäftigt – gegenüber 2.161 ein Jahr zuvor.

Beteiligungsportfolio neu geordnet

Wesentliche Schritte in Bezug auf die Konsolidierung seines Beteiligungsportfolios gelangen dem DSV 2017 und im ersten Halbjahr 2018. Im Zuge der Neuordnung seines medialen Angebots führte der DSV seine beiden Beteiligungen Sparkassen-Finanzportal (SFP) und AM COMMUNICATIONS unter dem Dach des SFP zusammen. So gelang es, aus dem SFP-Know-how in Kommunikation und digitalen Services und den AM-Schwerpunkten in Mediaplanung und -steuerung ein Agenturangebot aus einer Hand für die Sparkassen-Finanzgruppe zu formen.

Im Zug der Neuordnung ihres medialen Angebots hat die DSV-Gruppe dieses generell modernisiert. Ziel war eine stärkere Ausrichtung auf Offerten und Neuentwicklungen im digitalen Segment. Ferner ging es darum, das mediale Angebot mit Fokussierung auf bewährte und erfolgreiche Standardlösungen zu straffen, um kostenaufwändige Individualangebote zu vermeiden.

Darüber hinaus wurde auch die Aufgabenverteilung zwischen dem DSV und dem SFP neu organisiert, um Redundanzen zu vermeiden. Der DSV (Bereich Fach- und Bildungsmedien) übernimmt künftig die klassischen verlegerischen Angebote im medialen Segment, während sich das SFP auf Kommunikationslösungen für die Sparkassen konzentriert.

Neues SFP trägt Früchte

Dass diese Strategie richtig war, zeigte eine ganze Reihe von Projekten, mit denen das neu formierte SFP erfolgreich ist. Dazu zählt die Kooperation mit dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband zum Start eines gemeinsamen Co-Workings/Newsrooms in Berlin. Dort soll künftig die Gemeinsame Sparkassenkommunikation verantwortet werden. Zusätzlich werden aus dem Co-Working Sparkassen, Regionalverbände und Verbundunternehmen mit Informationen und Inhalts-Angeboten versorgt. Von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird die Hälfte vom SFP gestellt. Ebenso zu nennen ist die neue Evidenzstelle der Sparkassenorganisation, in der alle digitalen Angebote, Entwicklungen und Initiativen der Sparkassen-Finanzgruppe zentral aufgeführt werden. So können sich die Institute jederzeit einen Überblick verschaffen und auch bei Projekten mitwirken.

Linda entlastet Berater

Die Social Media Marketing Suite des SFP ermöglicht es den Instituten, ihre Social-Media-Aktivitäten – ob Community Management, Analyse, Reporting, Marketing-Aktionen, Werbung oder notfalls Krisenkommunikation – schnell und einfach von einem Ort aus und über alle Kanäle hinweg zu managen. Der vom SFP für die Sparkassen bereitgestellte Chatbot Linda sorgt für die rasche Beantwortung von derzeit fast 1.000 standardisierten Fragestellungen, erhöht damit die Kundenzufriedenheit und ermöglicht es den Sparkassenberatern, mehr Zeit für den Kundendialog über komplexe Anlagethemen zu reservieren.

Die vom SFP erstmals gemeinsam mit dem Schwesterunternehmen in der DSV-Gruppe, der MehrWert Servicegesellschaft (MWSG), ausgerichtete Hausmesse DAS FORUM 2018 war mit einem Besucherrekord von 1.300 Fachexperten aus der gesamten Sparkassenorganisation bereits im Vorfeld vollständig ausgebucht. Ein Schwerpunkt der Messe: Wie profitieren Sparkassen von datengetriebener Produktentwicklung und Endkundenkommunikation? Das SFP zeigte die hohen Potenziale im Bereich der Datenanalyse und der Data-Services, präsentierte erste Lösungen für Sparkassen und gab einen Ausblick auf kommende Entwicklungen.

BS PAYONE: Ertragschancen für die Sparkassen

Auch im Payment-Segment, in dem die DSV-Gruppe als Kompetenzcenter für die Sparkassen-Finanzgruppe fungiert, konnten wesentliche Konsolidierungsschritte vollzogen werden. Neben dem bereits erwähnten Anteilsverkauf des Kartenproduzenten gelang es 2017, die beiden DSV-Zahlungsserviceanbieter B+S Card Service und PAYONE zur neuen BS PAYONE zu verschmelzen. Der omnikanalfähige Anbieter am Point-of-Sale und im Internet offeriert den Sparkassen und ihren Händlerkunden jetzt Angebote aus einer Hand. Vor dem Hintergrund der Verdichtung im Payment-Geschäft war es von Anfang an der Plan der DSV-Gruppe, im nächsten Schritt einen strategischen Partner für BS PAYONE zu finden. Denn der Wachstumsmarkt der Zahlungsserviceanbieter ist von Internationalisierung und damit wachsenden Skaleneffekten, aber auch von hoher Regulierung verbunden mit sinkenden Margen gekennzeichnet. Daher zeigen sich deutliche Konsolidierungstendenzen im europäischen Kontext. Belege dafür sind die Transaktionen SIX Payments/Worldline sowie Concardis/Nets, die in der Fachöffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit registriert wurden.

Joint Venture mit Ingenico Group

Auf der Suche nach einem geeigneten Joint Venture-Partner war die DSV-Gruppe nach mehrmonatigen Sondierungen mit einer ganzen Reihe qualifizierter Unternehmen erfolgreich: Im Mai 2018 konnte sie den Beginn exklusiver Verhandlungen mit dem internationalen Zahlungsserviceanbieter Ingenico bekanntgeben. Gemeinsames Ziel ist es, das neu aufgestellte Joint Venture so weiterzuentwickeln, dass es den Sparkassen im Payment eine deutlich vergrößerte und moderne Produktvielfalt einschließlich Software sowie ergänzende Service- und Mehrwertleistungen bieten kann. Darüber hinaus soll der europäische Marktauftritt mit der Zusammenführung des Zahlungsakzeptanzgeschäfts in Deutschland, Österreich und in der Schweiz („DACH-Region“) weiter gestärkt werden.

Der Plan sieht vor, das operative Geschäft der BS PAYONE und der Deutschen Ingenico Holding, der Ingenico Payment Services (vormals easycash), sowie weiterer Gesellschaften der französischen Ingenico-Gruppe in der DACH-Region im neuen Unternehmen zu bündeln. Dabei wird Ingenico einen Mehrheitsanteil von 52 Prozent an dem Joint Venture erhalten. Dies trägt einerseits den Größenverhältnissen beider Partner Rechnung und ermöglicht andererseits der börsennotierten Ingenico-Gruppe, im Rahmen ihres Konzernabschlusses konsolidieren zu können. Bereits im Vorfeld der Verhandlungen wurde als Voraussetzung fest vereinbart, dass alle wichtigen Unternehmensentscheidungen im Konsens beider Partner getroffen werden. Somit ist sichergestellt, dass alle Sparkasseninteressen verbindlich berücksichtigt werden. Geplant ist, im dritten Quartal 2018 bindende Verträge zu unterschreiben.

DSV Logistik wird integriert

Auch im Jahr 2018 führt die DSV-Gruppe die von ihren Gremien befürwortete Konsolidierungsstrategie konsequent weiter. So ist geplant, dass die Supply Chain-Experten der DSV Logistik rückwirkend zum 1. Januar 2018 als Organisationseinheit in den DSV übernommen werden. Durch die Konsolidierung werden administrative Aufwände spürbar reduziert. Die formale Verwirklichung der Fusion ist kurzfristig vorgesehen.

Impuls für paydirekt: Neuer Geschäftsführer für die GIZS

Seit dem 1. Mai 2018 leitet Henning vorm Walde die zur Beteiligung der Sparkassen-Finanzgruppe an paydirekt gegründete GIZS. Die GIZS wurde Ende 2015 vom DSV sowie der Helaba und der LBBW als Gemeinschaftsunternehmen gebildet. Als Online-Bezahlsystem der deutschen Sparkassen und Banken hat paydirekt 2017 die Anzahl seiner registrierten Kunden verdoppelt und verzeichnet derzeit rund 1,9 Millionen Teilnehmer. Die Anzahl der Online-Shops, in denen mit paydirekt bezahlt werden kann, ist auf rund 9.000 gewachsen. Aktueller Neuzugang ist einer der international führenden Anbieter in den Bereichen Ticketing- und Live Entertainment, CTS EVENTIM. paydirekt zeichnet sich durch hohe Datensicherheit, große Reichweite und einfache Bedienbarkeit aus (die Bezahlfunktion ist eine Anwendung des Girokontos).

Erfolg für girocard kontaktlos ? Mobile Payment kommt jetzt

Als neuer, komfortabler und schneller Bezahlweg mit der Karte – bis 25 Euro ohne Geheimzahl (PIN) – hat die girocard kontaktlos 2017 bei Verbrauchern, Händlern und Instituten den Durchbruch geschafft. Ende 2018 werden die Sparkassen mehr als 35 Millionen girocards mit Kontaktlosfunktion im Markt haben. Mit einem Durchschnittsbetrag von rund zwölf Euro bei Kontaktlos-Zahlungen ohne PIN wird damit Bargeld, vor allem auch im Kleinbetragssegment, durch Kartenzahlung zunehmend abgelöst.

Das Jahr 2018 ist darüber hinaus geprägt von der Einführung einer Mobile Payment-Lösung für die Sparkassenkunden: Der flächendeckende Start auf Android-Geräten zum 1. August 2018 steht bevor. Für den Kunden, der heutzutage sein Smartphone immer griffbereit hat, wird es selbstverständlich werden, jederzeit mit mobilen Endgeräten bezahlen zu können. Die zusätzlichen Möglichkeiten des Mobiltelefons werden von den Instituten in einem weiteren Schritt zur Stärkung der Kundenbindung und ihrer Ertragschancen genutzt. Zwei Beispiele, wie das Mobile Payment-Angebot ergänzt werden kann: Durch die Möglichkeit, Einkäufe direkt zu finanzieren, oder die Offerte von Vorteils- und Mehrwertprogrammen.

Stollarz: DSV gut ins Jahr 2018 gestartet

Michael Stollarz freut sich über den Geschäftsverlauf des ersten Quartals 2018, in dem sich die drei DSV-Geschäftsbereiche Fach- und Bildungsmedien, Payment sowie Geschäftsbetrieb erfreulicherweise leicht über der Planvorgaben bewegten. „Darüber hinaus ist das laufende Jahr ein so genanntes großes Kartenumtauschjahr, in dem viele SparkassenCards ihr turnusmäßiges Ablaufdatum erreichen und somit die Bereitstellung von insgesamt rund 22 Millionen Debitkarten einen zusätzlichen Umsatzimpuls für die DSV-Gruppe erzeugen wird.“

DSV-Vertrieb und -Innovationen stärken

Weitere wesentliche operative Themen des laufenden Geschäftsjahrs sind laut Stollarz die Steigerung der Kundenzufriedenheit und das Thema Innovationsmanagement. „Um dieses voranzutreiben, haben wir 2018 ein hausinternes Innovationsmanagement eingeführt. Nach kürzester Zeit hatten wir mehr als 100 interessante Vorschläge, die nun geprüft werden. Wenn auch nur ein kleiner Teil davon durchkommt, heißt der Gewinner Sparkassen-Finanzgruppe und mit ihr auch die DSV-Gruppe.“

Darüber hinaus plant der DSV-Vertrieb die Einführung eines neuen vertriebskanalbasierten Kundenbetreuungskonzepts. Ziel ist es, ganzheitliche Kundenberatung aus einer Hand zu gewährleisten – einschließlich des kompletten Angebots der DSV-Töchter und -Beteiligungen. Dieses Konzept soll durch den Einsatz einer digitalen Kundenplattform unterstützt werden.